Kommentar: Falsch, Herr Kirchenpfleger!

Von Dr. Stephan Balling

Zunächst mal das Positive: Stand 13. März sind Rundkapelle, Schlösschen und Leonhard-Übler-Platz nicht verkauft, wie die Kirchenverwaltung heute mitteilt (https://rundkapelle.news/stellungnahme-von-pfarrer-und-kirchenverwaltung/). Verkaufsverhandlungen finden demnach auch nicht statt, allerdings „unverbindliche Gespräche mit verschiedenen Interessenten“. Und damit beginnt das Negative: denn wann unverbindliche Gespräche enden und Verhandlungen beginnen, ist doch sehr subjektiv. Pfarrer Lenz und die Kirchenverwaltung haben eine große Chance auf Befriedung ihrer Gemeinde vertan. Richtig wäre gewesen, jetzt ein Moratorium zu verkünden, klar zu machen: Erstmal legen wir alle Verkaufspläne auf Eis! Wir sprechen verbindlich mit Euch, nicht unverbindlich mit Kaufinteressierten! Doch nichts davon, stattdessen eine schwammige Formulierung. Misstrauen und Wut auf Pfarrer, Kirche und ihre Verwaltung werden nun weiter wachsen, ist zu fürchten.

Weder Pfarrer noch Kirchenverwaltung zeigen Bereitschaft, mit der Gemeinde, ihren – neudeutsch – Stakeholdern zu sprechen. Stakeholder ist nämlich nicht nur ein Sachausschuss, der hinter verschlossenen Türen tagt, bei aller Wertschätzung der dort tätigen Ehrenamtlichen, die ihre Frustrationsgrenze sicher auch immer weiter verschieben müssen. Stakeholder ist die gesamte Gemeinde, sind die Freunde der Rundkapelle als Förderverein, die Anwohner, die Menschen im Südosten Nürnbergs und all jene, denen das historische Ensemble um die Rundkapelle am Herzen liegt. Denen verweigern Pfarrer, Kirchenpfleger und Kirchenverwaltung die offene Kommunikation. 

Sie verstecken sich hinter einem Ablaufplan der Diözese für Veräußerungen von Grundstücken, der vielleicht passen mag, wenn der Verkauf einer Bushaltestelle ansteht,  oder einer alten Scheune. Ein solch historisches Areal wie der Kapellenplatz verdient es aber, dass der erste Punkt lautet: Mit der Gemeinde sprechen! Das passiert nicht, Pfarrer und Kirchenverwaltung arbeiten gegen jene, die mit unermüdlichem ehrenamtlichen Engagement teilweise über Jahrzehnte hinweg für eine prosperierende Gemeinde gearbeitet haben, für eine Sichtbarkeit von Kirche in der zunehmend säkularen Gesellschaft. Es fällt schwer, diese Nicht-Kommunikation nicht nur als Geringschätzung, sondern als Verachtung zu empfinden. 

Im Bayerischen Rundfunk hinterfragt Kirchenpfleger Gierse heute den pastoralen Zweck des Schlösschens, und dass die Kirchenstiftung nur dafür zuständig sei zu erhalten, was einem pastoralen Zweck diene. Was ist mit dem „Zweckfreien“, von dem der christliche Glaube zeugt? Dem Wahren, Guten, Schönen? Gerade Papst Franziskus legt der Kirche die „Via Puchritudinis“ ans Herz, den „Weg der Schönheit“, um Menschen ein Zeugnis von Gott zu geben. Die Rundkapelle mit dem Gesamtensemble ist ein solcher Ort – nicht nur ein Zweckbau für eine Gemeindepastoral, die eh gerade erodiert.  

Katholische Kirche steht für Tradition, und in Altenfurt finden sich mehr als 900 Jahre davon. Die romanische Rundkapelle war immer eingebunden in das Gesamtensemble dort, sonst hätten sie möglicherweise nicht vier deutsche Kaiser und Könige (1276 Kaiser Rudolf I., 1370 Kaiser Karl IV., 1422 Kaiser Sigismund, und 1444 Kaiser Friedrich III.) unter ihren persönlichen Schutz gestellt. Und wie die vielen Kommentare auf dieser Seite zeigen – allen einen herzlichen Dank dafür: das Gesamtensemble hat Bedeutung, geschichtliche, aber auch eine religiös-spirituelle für viele Menschen. Das ist aber ohnehin jedem klar, der die Gemeinde kennt und fähig ist, in sie hinein zu hören. Die Kirchenverwaltung um Pfarrer Lenz und Kirchenpfleger Gierse irren fundamental, wenn sie dem Schlösschen die pastorale Funktion absprechen.

Zusehends keimt die Frage auf, ob der Verweis auf die Pastoral nicht als Vorwand dient, der gerade zur rechten Zeit kommt. Am Ende geht es doch ums Geld. Und da gibt es wieder etwas Gutes: Es ist genug da! Ein Blick über das weitläufige ungenutzte Areal in kirchlicher Hand zum Beispiel an der Ecke Habsburger Straße / Von-Soden-Straße genügt, um das festzustellen. Die Vermietung des üppigen Pfarrhauses sowie des jetzigen Pfarrbüros brächte Einnahmen, mit denen sich eine hübsch renovierte angemessene Pfarrwohnung im Schlösschen an der Rundkapelle sowie ein Pfarrbüro dort finanzieren ließen. Zeit, für eine konstruktive öffentliche Debatte!

Sonnabend, 13. März 2021

Heute Demo! 13. März 2021! 14 Uhr! Kommt alle zur Kapelle! https://rundkapelle.news/demo/

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