Offene Fragen

Es brodelt in Alfimo, die Pläne zum Verkauf der Rundkapelle erhitzen die Gemüter. Das spüre ich an den Zuschriften und Anrufen, die ich in den vergangenen Tagen bekommen habe, und auch an den Posts von Lesern auf dieser Seite. Stand Dienstagabend verzeichnet die Seite laut WordPress 1.316 Besucher und 2.481 Views (Zugriffe). Eine Frage, die immer wieder gestellt wird: Was würde Pfarrer Übler zu all dem sagen, was hier gerade passiert? Er hat die Kapelle schließlich 1950 erworben, seitdem erlebte der ehemalige Gutshof eine beeindruckende Entwicklung hin zu einer kleinen Parkanlage. Bei einer Reise in England vor vielen Jahren, ich meine es war beim Besuch der Kathedrale in Salisbury, habe ich gelernt, dass sich die Schönheit und der Wert eines Sakralbaus mindestens so sehr durch das Areal auszeichnen, das ihn umgibt, wie durch die Architektur selbst. Das, so meine ich, gilt gerade auch für unsere Rundkapelle mit dem Schlösschen und dem Weiher, dieses Ensemble, zu dem viele in Alfimo – Altenfurt, Fischbach und Moorenbrunn – ganz offenkundig eine tiefe emotionale Bindung empfinden.

Das Interesse ist groß, doch eine wirkliche Antwort auf die Frage, wie es mit der Rundkapelle in Altenfurt weitergeht, erhält die Öffentlichkeit bis heute leider nicht. Vor gut zwei Wochen habe ich an das Altenfurter Pfarrbüro einen umfangreichen Fragebogen versandt. Eine Antwort darauf hat mich bis heute nicht erreicht, so ganz zuständig scheint sich niemand zu fühlen, ich werde hin und her gereicht.

Meine Bitte, mir die zwischenzeitliche Verlautbarung zu bestätigen, derzufolge die Rundkapelle selbst nicht zum Verkauf stehe, sondern eine Veräußerung sich lediglich auf das Schlösschen beziehe, wurde ebenfalls nicht erfüllt. So bleibt völlig unklar, wie die Veräußerungspläne konkret aussehen.

Die Kirchenverwaltung teilt lediglich mit, dass sie auf Nutzungsrechte für die Kapelle bestehe. Ist sie damit bereit, das Eigentumsrecht auch für die Kapelle abzugeben, und nicht nur für das Schlösschen und den Platz? Wie steht es um die Sanierung und Instandhaltung? Und sind wirklich sämtliche Alternativen zu einem Verkauf geprüft?

Noch entscheidender: Der Verkauf hat laut Kirchenverwaltung keine finanziellen Gründe! Die Kapelle passe lediglich nicht zu den Aufgaben der Kirchenstiftung. Warum dann die Eile, die Diskussionen im Verborgenen? Erstmal besteht doch wohl gar keine Notwendigkeit für einen raschen Verkauf. Die vergangenen 70 Jahre hat sich schließlich niemand an Kapelle und Stiftungszweck gestört.  

Vor allem aber: Der Erhalt jahrhundertealter katholischer Sakralbauten ist Kernaufgabe von Kirche! Die Kirchenverwaltung nennt als Zweck der Kirchenstiftung Gottesdienst, Bildung, Verkündigung, Erziehung und Wohlfahrtswesen. Wo werden Spiritualität, Geschichte, Tradition und Gemeinschaft lebendiger erlebbar als an Orten, die genau dafür seit über 1.000 Jahren stehen?

Das Bekenntnis zur Tradition zeichnet die Römische Kirche aus. Nötig wären nun also lediglich Vorschläge, unter welcher Rechtsform Kirche das historische Ensemble in Altenfurt künftig schützt und schätzt, sei es in der Kirchenstiftung oder unter einem anderen Dach. Lösungen sollten sich finden lassen, wirtschaftlicher und juristischer Sachverstand ist in der Pfarrgemeinde ausreichend vorhanden.

Es geht hier nicht darum, einzelne Personen vorzuführen oder Unruhe zu stiften. Das Ziel lautet Transparenz. Die Gemeinde hat ein Anrecht auf offene Kommunikation, auch über die Gremien hinaus. Und selbstverständlich soll am Ende vor allem die Rundkapelle mit Schlösschen, Platz und Weiher ein öffentlicher Raum bleiben, dieser jahrhundertealte Glutkern christlichen Lebens in Nürnberg. 

Hier einige der offenen Fragen an Pfarrer und Kirchenverwaltung:

  1. Weshalb wird nicht erwogen, Pfarrwohnung und Pfarrbüro ins Schlösschen zu verlegen? Könnten so nicht Pfarrhaus und Pfarrbüro entsprechend vermietet werden und so die Renovierung des Schlösschens finanziert werden?
  2. Weshalb gelingt es nicht, zumindest Akzeptanz für eine gemeinsame Faktenlage herzustellen, was die bisher gescheiterte Sanierung des Weihers angeht? 
  3. Weshalb ist ein Verkauf anderer Grundstücke im Eigentum der Pfarrgemeinde nicht eine Option, um damit die Renovierung des Schlösschens zu finanzieren (und damit ja auch die Steigerung dessen Wertes)? Findet sich nicht auf dem Pfarrgelände sehr viel freies, ungenutztes Gelände?
  4. Weshalb hat Kirche so wenig Geld für Investitionen, die ja möglicherweise künftig auch Erträge bringen können, wenn doch die Kirchensteuereinnahmen auf Rekordniveau liegen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12520/umfrage/kirchensteuer-einnahmen-in-deutschland/)?
  5. Weshalb wird nicht grundsätzlich über die Struktur der Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer diskutiert? Sollte die finanzielle Situation tatsächlich so schwierig sein, wie stellen Sie und der Kirchenpfleger die Finanzierung der Unterhalts- und Reparatur-/Renovierungskosten z.B. der Pfarrkirche St. Sebald dauerhaft und nachhaltig sicher?  
  6. Weshalb ist es aus Ihrer Sicht nicht überlegenswert, sich auf den Erhalt des historisch und für die Seele der Altenfurter Katholiken höchst bedeutsame Areal der Rundkapelle zu fokussieren? 
  7. Weshalb wäre es für die Seelsorge und Pastoral in Altenfurt kein gangbarer Weg, mit der evangelischen Christusgemeinde über ein gemeinsames ökumenisches Zentrum zu sprechen, das z.B. eine gemeinsame Nutzung von Pfarrräumen ermöglicht, und zugleich als katholischen Sakralbau die Rundkapelle mit dem gesamten Areal dort erhält, insbesondere mit Blick auf die räumliche Nähe von Christuskirche und Rundkapelle/Schlösschen? Stehen mit den Kirchen Mutter vom Guten Rat und Heilig Geist, der Kapelle im Caritas-Pirckheimer-Seniorenheim und vor allem der Rundkapelle in Altenfurt für die Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer nicht ausreichend katholische Sakralbauten zur Verfügung, die nebenbei bemerkt auch unterhalten werden müssen? Weshalb ist es nicht möglich, bei Bedarf mit der evangelischen Gemeinde über Gottesdienste in der Christuskirche zu sprechen?
  8.  Weshalb wird nicht an Konzepten gearbeitet, wie aus dem Areal der Rundkapelle inkl. Schlösschen ein dauerhaft wirtschaftlich ertragsfähiges Ensemble werden kann?

Verfasser: Dr. Stephan Balling

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