Kommentar: Die Mär vom alten Verkaufsbeschluss

Das Wort “Lüge” gilt es mit Vorsicht zu verwenden. Es bezeichnet eine falsche Aussage, die bewusst gemacht wird und jemanden täuschen soll. Ein schwerer Vorwurf. Dem Alten Testament zufolge verstößt gegen Gottes Gebote, wer lügt. 

Umso fataler ist es, wenn dieser Vorwurf innerhalb einer christlichen Gemeinde erhoben wird. Und doch ist er in jüngster Zeit in der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer immer öfter zu hören. Gemeindemitglieder an der Basis verlieren das Vertrauen in die Leitungspersonen ihrer Gemeinde und der Gremien. Das L-Wort macht die Runde. Vorsichtiger formuliert lässt sich von Ungereimtheiten in der Kommunikation des Pfarrers und der Führung von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat sprechen.

Es geht zum Beispiel um einen vermeintlichen Beschluss der Kirchenverwaltung St. Sebald Altenfurt aus den Jahren 2013 bis 2018, also vor der Fusion der drei ehemals eigenständigen Pfarreien Fischbach, Moorenbrunn und Altenfurt. Die aktuelle Gemeindeleitung behauptete in den vergangenen Monaten immer wieder, dass bereits die ehemaligen Altenfurter Gremien beschlossen hätten, den Altenfurter Kapellenplatz zu verkaufen. Die aktuelle Kirchenverwaltung für die fusionierte Großpfarrei führe diesen Beschluss lediglich weiter.

Seit Wochen nun kämpfen einige Mitglieder des aktuellen Pfarrgemeinderats, die Vorsitzende des Kirchortsrats Altenfurt und zahlreiche Gemeindemitglieder gegen den Verkauf des Altenfurter Kapellenplatzes. Sie bitten ihre Vorsitzende sowie die Kirchenverwaltung zu benennen, wann der vermeintliche Beschluss für einen Verkauf denn gefasst worden sei. Alte Protokolle wurden durchforstet. Allmählich bricht sich nun die Erkenntnis bahn: Einen expliziten Beschluss für einen Verkauf hat es wohl nie gegeben. Die ehemalige Altenfurter Kirchenverwaltung hat einen solchen Beschluss nicht gefasst. Der ehemalige Pfarrgemeinderat erst recht nicht.

Was beschlossen worden war: Ein Kaufangebot der Caritas für das Schlösschen zu prüfen. Allerdings hat die Caritas dieses Angebot später selbst wieder zurückgezogen. Im Jahr 2017 war in einer gemeinsamen Sitzung der drei damals noch eigenständigen Pfarrgemeinderäte auch überlegt worden, für das Dekanat Nürnberg-Süd auf dem Areal ein Bildungszentrum zu entwickeln. Auf vermietete Objekte könne verzichtet werden, heißt es ferner in Protokollen aus der Zeit, und dass für die Sanierung von Immobilien kein Geld vorhanden sei. Ein Verkaufsbeschluss ist aber nicht vorhanden.   

Warum das alles relevant ist? Warum die Vergangenheit aufarbeiten? Zunächst erschüttert die Geschichte abermals die Glaubwürdigkeit der führenden Personen der Pfarrgemeinde. Die vorsichtige Formulierung der Ungereimtheiten in deren Kommunikation soll hier erstmal beibehalten werden. 

Darüber hinaus aber bricht ein zentrales Argument derer weg, die den Verkauf des Kapellenplatzes inklusive der dortigen Gebäuden seit Monaten vorantreiben. Sie führen eben nicht lediglich fort, was doch alter Altenfurter Wille sei. Es ist wohl nicht so, dass die Fusion der drei Pfarreien mit den Verkaufsabsichten nichts zu tun hat. Der Widerstand und auch die Wut in weiten Teilen der Pfarrgemeinde sind eben doch gerechtfertigt, verständlich und logisch. 

Zweck der Lüge ist die Täuschung. Doch mit unvollständiger und vom Konkreten ins Abstrakte flüchtender Kommunikation können Täuschung und Irreführung ebenso gelingen. Das einzige Mittel dagegen ist die Transparenz. 

Manch einer in der Gemeinde und auch im Pfarrgemeinderat wünscht sich Versöhnung und einen anderen Umgangston. Der Wunsch ist berechtigt, und wer kann das schon nicht wollen? Aber Versöhnung setzt Bedingungen voraus: Transparenz und Beteiligung, offene Ohren statt lauter Stimmen und Ehrlichkeit statt Unwahrheit.

1 Gedanke zu „Kommentar: Die Mär vom alten Verkaufsbeschluss“

  1. Lieber Pfarrer L. Übler. Bitte regel das!!! Das kann doch nicht sein.😭😭😭😭😭😭😭😭😭😭 Ich Danke Dir im voraus! Dein Harald!

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