Kapellenplatz Altenfurt – Fragen und Antworten

Viele Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer sowie Bürgerinnen und Bürger der drei Stadtteile Moorenbrunn, Fischbach und Altenfurt und darüber hinaus sorgen sich um die Zukunft des historischen Altenfurter Kapellenplatzes. Rundkapelle.news versucht, die wichtigsten Fragen aus einem möglichst neutralen Standpunkt zu beantworten.

Warum die Aufregung um die Rundkapelle?

Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass die Kirchenverwaltung der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer Altenfurt-Fischbach-Moorenbrunn plane, den historischen Sakralbau aus dem 12. Jahrhundert mit dem gesamten Gelände an einen privaten Investor zu verkaufen. Die Kirchenverwaltung hatte dies auf Anfrage der Presse bestätigt.  Zwar wurde versichert, dass sich die Pfarrgemeinde Nutzungsrechte garantieren lassen werde, aber trotzdem bildete sich lautstarker Protest, unter anderem in Form einer Demo. 1.300 Unterschriften gegen diese Pläne wurden an den Bischof von Eichstätt übergeben. Auch die Medien berichteten intensiv.

Ist die Kapelle schon verkauft?

Nein. Die Rundkapelle sowie das gesamte Areal befinden sich weiterhin im Besitz der Kirchenstiftung. Sowohl Generalvikar Huber als auch die Kirchenverwaltung haben mittlerweile klar gemacht, dass die Rundkapelle auch nicht mehr zum Verkauf stehe. 

Dann ist jetzt ja alles gut, oder?

Nein! Die Kirchenverwaltung möchte die Kapelle aus dem Gelände abmessen, also ausgliedern. Sie soll dann im Besitz der Kirchenstiftung bleiben. Das Gelände um die Kapelle herum inklusive des Schlösschens aus dem 17. Jahrhundert will die Kirchenstiftung weiter veräußern.

Was ist so schlimm daran, wenn das Schlösschen und das Grundstück veräußert werden?

Das Areal bildet ein historisches, kulturelles, soziales, spirituelles und pastorales Gesamtensemble. Aus Sicht vieler Menschen darf das Gelände nicht zerteilt werden. Es gilt vielen als Herz der Pfarrgemeinde und Kern ihrer Heimat und soll öffentlicher Raum bleiben für Erholung, Besinnung und Kultur. 

Ganz praktisch geht es aber auch um den Zugang zur Kapelle. Welche Freiräume würde ein privater Investor der Kirchengemeinde lassen? Welche Zugänge der Öffentlichkeit?

Für Gottesdienste in der Kapelle ist beispielsweise die Sakristei notwendig. Für die häufigen Gottesdienste auf dem Platz nutzt die Pfarrgemeinde das Areal. Dazu kommen Großveranstaltungen wie Fronleichnam, der Martinszug oder das Pfarrfest, an denen auch weitere Teile der Nebengebäude genutzt werden, auch das Schlösschen. Laut einer Analyse des Sachausschusses des Pfarrgemeinderats nutzt die Gemeinde das Areal an rund 100 Tagen im Jahr. Einige der Veranstaltungen könnten nach Aussagen von ehrenamtlich engagierten Gemeindemitgliedern ohne das Schlösschen und die Nebengebäude überhaupt nicht stattfinden.

Auch für kulturelle Veranstaltungen soll das Gelände weiterhin nutzbar bleiben. Ein Beispiel dafür ist das beliebte und gut besuchte Classic Open Air. Alle Bürger sollen in der Rundkapelle und auf dem gesamten Areal weiterhin einen Ort der Ruhe, der Besinnung und des Gebets sowie des kulturellen und sozialen Zusammentreffens finden können.

Wie genau werden Nebengebäude für Veranstaltungen genutzt?

Für alle Gottesdienste und Feste auf dem Platz sind Lagermöglichkeiten erforderlich für Geschirr, Bänke, Tische, Podien und Stände. Auch für die Vorhaltung sanitärer Anlagen dienen die Nebengebäude und das Schlösschen. Strom und Wasser werden über die Nebengebäude bezogen. 

Wie wahrscheinlich ist der Verkauf an einen privaten Investor?

Am 22. April fand erstmals ein Runder Tisch unter Leitung von Ministerpräsidenten a.D. Dr. Günther Beckstein statt. Dort stellte Kirchenpfleger Helmut Gierse für die Kirchenverwaltung klar: Der Verkauf an einen privaten Investor ist vom Tisch.

Heißt das, die Kirchenstiftung behält das Gelände?

Nein. Die Kirchenverwaltung hat ganz klar signalisiert, dass sie das Gelände nicht im Eigenbesitz behalten will. Offen ist bisher die Frage, inwieweit sie sich an einer neuen Trägerorganisation beteiligen würde. Das wird derzeit diskutiert. 

Was wurde an dem Runden Tisch beschlossen?

Im Kern haben der Förderverein „Freunde der Rundkapelle“, der Bürgerverein Südost, der Verein „Altenfurter Boulevard“ sowie die Bürgerinitiative zur Rettung des Rundkapellenplatzes den Auftrag erhalten für eine Machbarkeitsstudie. Diese soll ermitteln, wie eine Zukunft des gesamten Areals (ohne Kapelle) aussehen kann. Dazu gehört die Frage, welchen Renovierungsbedarf das Schlösschen hat. Anschließend soll geklärt werden, wie die finanziellen Mittel dafür generiert werden können. Im Gespräch ist unter anderem die Bildung einer Genossenschaft oder einer gemeinnützigen GmbH. Über Crowdinvesting und Crowdfunding soll eine breite Öffentlichkeit die Möglichkeit erhalten, sich zu beteiligen.

Ist das ein guter Weg?

Das wird sich zeigen. Derzeit gibt es noch viele Stimmen in der Gemeinde, die darauf dringen, dass das gesamte Areal im Besitz der Kirchenstiftung bleibt. Ein Vorschlag lautet, dass die Kirchenstiftung vorhandene andere wertvolle und nicht genutzte Grundstücke verkauft, damit das Schlösschen saniert und dauerhaft Einnahmen für die Gemeinde generiert. Das Areal würde so als Einheit zusammengehalten. Das stößt aber auf Ablehnung bei Pfarrer Lenz, Kirchenverwaltung und wahrscheinlich einer knappen Mehrheit im Pfarrgemeinderat.

Was spricht dagegen, diesem Weg zu folgen und das Areal in Händen der Kirchenstiftung zu halten?

Die Kirchenverwaltung argumentierte am Runden Tisch, dass es nicht zu ihren Aufgaben gehöre, so eine Immobilie zu managen und damit unternehmerisch tätig zu sein.

Wie ist diese Sicht der Kirchenverwaltung einzuordnen?

Das ist eine Frage des Standpunkts. Einerseits bildet das Areal für viele Gemeindemitglieder das Herz katholischer Tradition in der Pfarrgemeinde. Andererseits kann es durchaus Vorteile haben, wenn das Areal auf eine breitere Trägerbasis gestellt wird, möglichst unter Beteiligung der Kirchenstiftung. 

Das heißt, aus wirtschaftlichen Gründen sollte die Kirchenstiftung das Areal abgeben?

Nein. Wenn die Kirchenstiftung das Areal in eine eigene Trägerorganisation überführt, kann sie weiterhin Eigentümerin sein, eben nur indirekt über die Trägerorganisation. Wie hoch der Anteil der Kirchenstiftung an der neuen Trägerorganisation sein wird, ist noch offen.

Heißt eigene Trägerorganisation, die Kirche behält das Sagen und andere sollen zahlen?

Das würde nicht funktionieren und ist bisher auch nicht als Absicht der Kirchenverwaltung zu erkennen. Es muss gelten: Je höher der Beitrag von außerhalb der Kirchenstiftung, desto mehr Rechte gehen der Kirchenstiftung verloren. Das kann auch zu einer Minderheitsbeteiligung führen. Details sind vertraglich zu regeln. Dazu gehören gegebenenfalls auch Nutzungsrechte und/oder substanzielle Rechte für Minderheiteneigentümer. 

Wie genau wird das künftige Konstrukt nun aussehen?

Das ist noch sehr unklar. Derzeit arbeiten viele Personen daran, einen Plan aufzustellen und einen Lösungsvorschlag vorzulegen. Parallel laufen Gespräche mit der Kirchenverwaltung.

Aber die Kirchenstiftung will auf jeden Fall einen Fuß in der Tür der Trägerorganisation behalten?

Auch darüber wird derzeit noch diskutiert. Eine Entscheidung diesbezüglich dürfte in den kommenden Wochen fallen.

Was heißt all das für die Perspektive des Platzes?

Nach den teils heftigen Auseinandersetzungen scheint eine gute und einvernehmliche Lösung für die Rundkapelle und den Kapellenplatz möglich. Die Signale aus der Kirchenverwaltung dafür sind jedenfalls als durchaus positiv zu werten.

Werden am Ende alle zufrieden sein?

Schwer zu sagen. Noch gibt es bei vielen Mitgliedern der Pfarrgemeinde großes Unverständnis, dass überhaupt über so etwas wie einen Verkauf nachgedacht wird. Vor allem Ältere sehen das Erbe von Pfarrer Übler und Pfarrer Schiele nicht gewürdigt und in Gefahr. Viele Gemeindemitglieder fürchten einen Ausverkauf ihrer Heimat. Im Pfarrgemeinderat sorgte ein entsprechender Antrag zuletzt für heftige Diskussionen, Mitglieder aus dem Sachausschuss zur Zukunft der Rundkapelle traten aus Ärger und Frust zurück. Ob sich der Ärger in Wohlgefallen auflöst, wird entscheidend von der künftigen Konstruktion und deren Erfolg abhängen. 

Bedeutet das auch eine Befriedung der zuletzt aufgeheizten Stimmung in der Pfarrei?

Dafür muss sich in der Gemeinde wahrscheinlich einiges fundamental ändern. Der Vorstoß für einen Verkauf des Kapellenplatzes über die Köpfe der Gemeindemitglieder hinweg hat tiefe persönliche Verletzungen verursacht. Es ist vor allem der Umgang mit langjährigen Ehrenamtlichen, der für Ärger sorgt. Ändert sich das künftig? Werden die Gemeindemitglieder am Ende in die Entscheidung über die neue Trägerstruktur des Kapellenplatzes einbezogen? Wie sieht das bei der anstehenden Zukunftsdebatte aus, die über den Kapellenplatz hinausgeht? Ein pastoraler Plan soll festlegen, wie die Gemeinde künftig strukturiert sein wird. Bleibt die Debatte dazu in den Gremien, oder gelingt es, die Mitglieder im Sinne einer Beteiligungsgemeinde in den Entscheidungsprozess einzubinden? Das dürfte entscheidend sein für die Zukunft der Pfarrgemeinde. 

Schreibe einen Kommentar

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner