Neuer Eklat um Rundkapellenplatz: Rücktritte und Frust

Der tiefe Zwist in der katholischen Pfarrgemeinde Moorenbrunn, Altenfurt und Fischbach über die Zukunft des historischen Altenfurter Kapellenplatzes ist auch nach dem Runden Tisch verschiedener Stakeholder am 22. April nicht beigelegt. Ehrenamtliche ziehen sich frustriert aus Gremien zurück und im Pfarrgemeinderat (PGR) herrscht tiefer Streit. 

Im PGR kam es Ende April zu teilweise heftigen Wortgefechten. An der öffentlichen Sitzung, die digital stattfand, nahmen neben den gewählten Mandatsträgern auch zahlreiche Gemeindemitglieder teil und machten ihrem Unmut gegenüber der PGR-Leitung, Pfarrer Burkhard Lenz und Kirchenpfleger Helmut Gierse Luft. Pfarrer und Kirchenverwaltung wollen den Kapellenplatz inklusive des historischen Schlösschens verkaufen, wogegen sich viele Mitglieder der Pfarrgemeinde zur Wehr setzen, etwa bei einer Demonstration Ende März.

 

Aus der Gemeinde kommt der Vorwurf, dass sich viele Funktionsträger weit von der Basis entfernt hätten. Auch die vor wenigen Jahren durchgesetzte Fusion der drei ehemals eigenständigen Pfarrgemeinden wird von Gemeindemitgliedern hinterfragt. 

Pfarrer, Kirchenpfleger und PGR-Leitung fahren derzeit einen strikten Zentralisierungskurs. Eigenständige Aktionen der Kirchortsräte, wie die Übergabe von Unterschriften an den Bischof von Eichstätt, kritisierten sie öffentlich. Der Altenfurter Kirchortsrat und katholische Verbände und Vereine der ehemaligen Pfarrei St. Sebald wurden bis zu besagtem Runden Tisch nicht in die Überlegungen über einen Verkauf des Kapellenplatzes mit der romanischen Rundkapelle einbezogen, obwohl die Überlegungen dazu schon längere Zeit laufen. Bei der Rundkapelle und dem Platz mit Schlösschen und Weiher handelt es sich um das historische Altenfurter Wahrzeichen. 

Ein Antrag mehrerer gewählter Gemeindevertreter im PGR wurde Ende April vertagt auf den kommenden Mittwoch, 19. Mai, 20 Uhr. Dann findet die nächste öffentliche Sitzung des Gremiums statt, zu der sich Interessierte wieder einwählen können. Gäste haben Rede- aber kein Stimmrecht. Der Link ist auf Anfrage erhältlich oder über die Website der Pfarrei. In dem Antrag soll die Kirchenverwaltung aufgefordert werden, einen Verkauf zu überdenken und keinesfalls auf Gewinne zu pochen, die schließlich zulasten einer künftigen gemeinwohlorientierten Trägerorganisation gingen. Die Mehrheitsverhältnisse im PGR sind unklar. Bei einigen Gemeinderäten stieß der Vorstoß in der April-Sitzung auf sichtliche Ablehnung. Der leicht gekürzte Wortlaut des Antrags findet sich am Ende dieses Beitrags.

Zu einem noch heftigeren Eklat als bei der PGR-Sitzung im April war es bereits vor mehreren Wochen gekommen. Im Sachausschuss des PGR zur Zukunft des Kapellenplatzes unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Trost hatte es zuvor mehrfach heftige inhaltliche Auseinandersetzungen gegeben. Der Vorwurf einiger Mitglieder lautete, dass die Beschlüsse im Sachausschuss immer wieder von Pfarrer und Kirchenpfleger konterkariert würden. Aus Frust über die Zustände warfen bereits im April vier Mitglieder hin, die auch Mitglieder im PGR sind. Dem Vernehmen nach überlegen einige auch, ihr gesamtes Engagement für die Gemeinde aufzugeben aus Ärger über die Alleingänge von Pfarrer, Kirchenpfleger und PGR-Vorstand. 

Pfarrer, Kirchenverwaltung und PGR versuchen den Eklat zu verschweigen. Am 2. Mai berichteten sie in einer Veröffentlichung, dass „der Pfarrgemeinderat zusammen mit dem Sachausschuss die pastoralen Aktivitäten/Veranstaltungen formulieren” werde für den Kapellenplatz. Der Eklat mit den mehrfachen Rücktritten wurde der Gemeinde in der Mitteilung verheimlicht, obwohl das Zerwürfnis da schon zwei Wochen zurücklag. 

Unterdessen arbeiten mehrere Personen aus der Pfarrgemeinde an einem Tragfähigkeitskonzept und suchen im Austausch mit der Kirchenverwaltung nach einer sinnvollen Struktur für den Kapellenplatz. Beteiligt sind dabei die Vereine „Freunde der Rundkapelle“ und „Altenfurter Boulevard“ sowie der Bürgerverein Südost. Sobald erste Konzepte stehen, soll es einen weiteren Runden Tisch unter Leitung von Ministerpräsidenten a.D. Dr. Günther Beckstein geben. 

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Bistum Eichstätt und Kirchenverwaltung hatten beim ersten Runden Tisch nach den lautstarken Protesten und zahlreichen Medienberichten öffentlich erklärt, dass die Rundkapelle selbst nicht zum Verkauf stehe. Noch im März war in einer Mitteilung der Kirchenverwaltung lediglich von “Nutzungsrechten” die Rede, die man sich für das Gotteshaus erhalten wolle. Die Kapelle soll nun nach dem Willen der Kirchenverwaltung aus dem historischen Gesamtensemble herausgelöst werden, sodass das Areal darum herum inklusive Mesnerhaus und Schlösschen ohne die Rundkapelle verkauft werden kann. Der Verkauf an einen privaten Investor sei dabei „vom Tisch“, hatte Kirchenpfleger Gierse beim Runden Tisch öffentlich erklärt. Das mögliche Ende der Einheit des historischen, kulturellen und spirituellen Gesamtensembles am Kapellenplatz trifft allerdings trotzdem viele Altenfurter Katholiken ins Mark und sorgt für tiefe Verletzungen, zumal sie sich in den Entscheidungsprozess nicht eingebunden fühlen. 

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